Schildkröten-Winterschlaf und Winterstarre – wo liegt der Unterschied und was ist es?

Der Schildkröten-Winterschlaf – eigentlich handelt es sich bei Schildkröten um eine Winterstarre (Hibernation), da im Gegensatz zum Winterschlaf der Biorhytmus zwingend von fallenden Temperaturen eingeleitet werden muss – gehört zum natürlichen Jahresrhythmus der Tiere und ist für ein gesundes Leben sehr wichtig. Sobald die Tage kürzer werden und die Temperaturen in Richtung der einstelligen Grade fallen, stellt sich eine Schildkröte auf den Winterschlaf bzw. die Winterstarre ein. Es halten jedoch nicht alle Schildkröten-Arten diese Ruhephase, da dies direkt von den Begebenheiten im natürlichen Habitat abhängig ist. Europäische Schildkröten wie die häufig gehaltene Griechische Landschildkröte Testudo hermanni würden in der kalten Jahreszeit kein Futter finden und begeben sich daher in die Inaktivität. Steigen die Temperaturen im Frühling wieder, wärmen sich die Reptilien langsam auf – dadurch wird das Herz-Kreislauf-System und später auch die Tiere selbst angeregt.

Schildkröten-Winterschlaf in der Natur

In der Natur werden Schildkröten durch die sinkenden Außentemperaturen automatisch auf den Winterschlaf bzw. die Winterstarre eingestellt. Sie werden inaktiv, bewegen sich nur noch sehr wenig und stellen die Nahrungsaufnahme ein, da sie diese bei niedrigeren Temperaturen nicht mehr verdauen können. Die Wintermonate werden in Höhlen verbracht oder in selbstgegrabenen Erdlöchern. Durch das Herunterfahren des Herz-Kreislauf-Systems und des Stoffwechsels können Schildkröten monatelang ohne Nahrung überleben.

Die Überwinterung bei uns zu Hause

In menschlicher Obhut müssen wir versuchen, diese Gegebenheiten so gut wie möglich nachzuahmen. Dafür gibt es unterschiedliche Möglichkeiten, die sich bei Haltern mehr oder weniger bewährt haben.

Winterschlaf im Keller

Ein Keller, der immer gleich kühl ist und eine hohe Luftfeuchtigkeit aufweist, ist der kostengünstigste Ort, um eine Schildkröte zu Überwintern. Denn dort kann die Ruhephase ohne technische Hilfsmittel realisiert werden. Einen solchen Keller besitzen allerdings die wenigsten, weshalb nach anderen Möglichkeiten geschaut werden muss.

Winterschlaf im Kühlschrank

Der Schildkröten-Winterschlaf wird von vielen Haltern im Kühlschrank durchgeführt – jedoch nicht in dem Gerät, das für das Essen der Familie verwendet wird. Der Kühlschrank muss auf einer Temperatur von 5 °C gehalten werden – ohne große Absenkungen oder Ansteigungen. Das kann sehr gut mit einem Universal-Thermostat UT 200 umgesetzt und kontrolliert werden. Dies können wir auch nur empfehlen, da eine Überwinterung im Kühlschrank ohne technische Kontrolle sehr schnell tödlich enden kann. Öffne den Kühlschrank einmal die Woche, damit frischer Sauerstoff hineinkommt und Du das Substrat kontrollieren kannst. Wird es zu trocken, kann seitlich ein wenig Wasser eingegossen werden.

Die Überwinterungskiste

Überwinterungskiste

Zunächst wird eine Kiste aus Holz oder PVC benötigt. Es sollte geschaut werden, dass sie gut in den Kühlschrank passt. Gefüllt wird sie zur Hälfte mit einem lockeren, grabfähigen und luftdurchlässigen Substrat – beispielsweise ein Gemisch aus Kokosfasersubstrat und normaler Gartenerde (ersatzweise Floraton-3) oder Torfmoos. Darauf wird die Schildkröte gelegt und mit Buchenlaub bedeckt. Um eine Luftzirkulation zu gewährleisten und Staunässe zu verhindern, werden ausreichend viele Löcher in die Kiste gebohrt. Unsere Skizze soll das noch einmal grob verdeutlichen.

Vorbereitung

Vor dem Schildkröten-Winterschlaf bzw. der -Winterstarre dürfen die Tiere zwei bis drei Wochen kein Futter mehr zu sich nehmen, da die Futterreste sonst während der Ruhezeit zum Tode führen könnten. Viele Halter baden ihre Tiere zudem regelmäßig in lauwarmen Wasser.

Wochenplan zur Vorbereitung der Winterstarre

1. Woche

  • Im Terrarium muss die Grundbeleuchtung reduziert werden – in der Natur passiert das logischerweise von selbst
  • Die Leuchtdauer des Wärmestrahlers wird auf fünf Stunden reduziert
  • Die Umgebungstemperatur beträgt tagsüber etwa 20° C und nachts etwa 12° C
  • Zweimal pro Woche wird die Schildkröte fünf Minuten gebadet

2. Woche

  • Die Leuchtdauer des Wärmestrahlers wird auf vier Stunden reduziert
  • Die Umgebungstemperatur beträgt tagsüber etwa 17° C und nachts etwa 10° C
  • Das Tier nimmt weniger Nahrung auf
  • Zweimal pro Woche wird die Schildkröte fünf Minuten gebadet

3. Woche

  • Die Leuchtdauer des Wärmestrahlers wird auf drei Stunden reduziert
  • Die Umgebungstemperatur beträgt tagsüber etwa 15° C und nachts etwa 8° C
  • Das Tier stellt die Nahrungsaufnahme langsam ein
  • Starke Inaktivität
  • Zweimal pro Woche wird die Schildkröte fünf Minuten gebadet

4. Woche

  • Die Leuchtdauer des Wärmestrahlers wird auf zwei Stunden reduziert
  • Die Umgebungstemperatur beträgt tagsüber etwa 10° C und nachts etwa 6° C
  • Das Tier stellt die Nahrungsaufnahme komplett ein
  • Die Überwinterungsboxen können bereitgestellt werden
  • Zweimal pro Woche wird die Schildkröte fünf Minuten gebadet

Im Frühjahr endet die Hibernation

Im Frühling startet die Schildkröten-Saison von neuem, denn dann erwachsen so langsam alle Tiere aus der Starre. Die Temperaturen steigen und das regt den Kreislauf an. Im Normalfall reagieren Schildkröten, sobald die Umgebungstemperatur mehrere Tage über 10° C liegt. Doch das funktioniert natürlich nur bei denen, die ihre Winterstarre im Freien verbracht haben. Bei den Panzerträgern im Keller oder Kühlschrank müssen wir handeln.

Nachfolgend findest Du eine Auflistung, was nach der Winterstarre zu tun ist:

  • Im Frühbeet überwinterte Tiere werden selbstständig aktiv und graben sich aus der Erde
  • Bei einer Kühlschrank-Überwinterung müssen die Temperaturen langsam erhöht werden – die Schildkröte darf nicht schlagartig ins Warme. Du kannst sie beim Frühlingsbeginn in das Frühbeet umsiedeln und eingraben. Sobald die Temperaturen weiter steigen und die Tageslichtlänge zunimmt, werden sie ihre Winterstarre langsam beenden.
  • Gib Deinen Tieren einige Tage, aktiv zu werden – sie kommen von ganz alleine an die Oberfläche
  • Futter und Wasser müssen stets angeboten werden – das Wasser in den Trink- und Badeschalen sollte Zimmertemperatur haben
  • Öle oder andere Panzerpräparate sind nicht notwendig
  • Wichtig ist, nach der Starre die Gesundheit der Schildkröten zu untersuchen – dafür sollte ein schildkrötenerfahrener Tierarzt aufgesucht werden

Das Wichtigste zusammengefasst

Warum müssen Schildkröten einen Winterschlaf halten?

  • Es ist ein Hauptbestandteil der artgerechten Haltung
  • Nur so kann ein gesundes Wachstum (Knochen, Panzer) gewährleistet werden
  • Es beugt schwerwiegenden Krankheiten vor
  • Nur durch den Winterschlaf wird eine Nachzucht ermöglicht

Worauf muss vor der Einwinterung unbedingt geachtet werden?

  • Die Tiere müssen gesund sein (mithilfe einer Kotprobe und einem Tierarztbesuch kontrollieren lassen)
  • Spätestens sechs Wochen vor dem Beginn des Winterschlafs muss die letzte Wurmkur abgeschlossen sein
  • Eine Woche vor der Einwinterung wird die Schildkröte nicht mehr gefüttert
  • Das Gewicht wird notiert und in regelmäßigen Abständen kontrolliert

Wo kann das Tier überwintert werden?

  • Eine unkontrollierte Überwinterung im Freien kann zum Tot des Tieres führen
  • Kellerräume mit konstanten Temperaturen zwischen 4 °C und 8 °C sind gut geeignet
  • Ansonsten ist ein separater Kühlschrank zu empfehlen
  • Die Überwinterungskiste wird mit Kokosfasersubstrat, Gartenerde und Buchenlaub gefüllt

Worauf ist während des Winterschlafs zu achten?

  • Die Temperaturen müssen konstant zwischen 4 °C und 8 °C gehalten werden
  • Das Substrat in der Überwinterungskiste muss leicht feucht gehalten werden
  • Gewichtskontrolle einmal pro Woche (sinkt das Gewicht um mehr als 10 %, muss sofort ein Tierarzt aufgesucht werden)
  • Lüftung des Kühlschranks einmal pro Woche

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