Schildkröten-Haltung



Das ist bei einer artgerechten Landschildkröten-Haltung zu beachten

Die Schildkröten-Haltung ist ein heikles Thema, da erfahrungsgemäß besonders bei Anfängern und Neueinsteigern häufig Fehler auftreten. Dass dies nicht immer am Fehlverhalten der Halter liegt, ist auch bekannt, denn oft wird in Zoohandlungen nicht nur eine komplett falsche Schildkröten-Haltung gezeigt, sondern auch von den Verkäufern vermittelt. Viel zu kleine Terrarien, falsche Beleuchtung und ein Nahrungsangebot, das aus Salat und Sticks besteht. Daher entsteht schnell die Meinung, dass eine Landschildkröte einfach und unkompliziert zu halten sei, da sie nur wenig Platz benötigt und mit Küchenüberresten gefüttert werden kann. Zudem ist es leider oft so, dass sich Neueinsteiger nicht ausreichend genug mit der Haltung von Schildkröten auseinandersetzen. Was – im Idealfall vor dem Kauf – zu beachten ist und wie eine artgerechte Unterbringung auszusehen hat, haben wir im Folgenden zusammengefasst. Dabei liefern wir nur allgemeine Grundinformationen, die je nach Schildkröten-Art anzupassen sind. Zudem gehen wir hier auf die Haltung von Landschildkröten ein.


Unsere Tipps zur Schildkröten-Haltung

Fachliteratur

Bevor man sich Gedanken macht, wo man eine Schildkröte kaufen kann, sollten zunächst Fachbücher gekauft oder ausgeliehen und ausgiebig studiert werden. Es ist jedoch zu beachten, dass man Bücher über die Schildkröten-Art liest, für die man sich entschieden hat. Denn die Lebensweise (Hält das Tier eine Winterstarre oder Sommerruhe?), die Haltungsbedingungen (Kann es in einem Terrarium oder Freigehege leben?), der natürliche Lebensraum (Lebt es in der Wüste oder den Tropen) und die Ernährung (Frisst es nur Pflanzen oder auch Fleisch?) sind von Art zu Art sehr unterschiedlich. Hier spielen auch Gesetze zum Kauf, der Meldung und zu den Mindestanforderungen an die Gehegegröße eine Rolle. All diese Informationen findet man in den richtigen Büchern. Doch auch hier ist Vorsichtig geboten: denn es gibt leider nicht nur gute Bücher. Daher haben wir eine Rubrik mit empfehlenswerten Schildkröten-Büchern zusammengestellt.

Landschildkröten im Freigehege
Zwei Landschildkröten treffen im gut strukturierten Freigehege aufeinander.

Terrarien und Freigehege

Auch wenn in Zoogeschäften etwas anderes zu sehen ist, können viele Schildkröten-Arten nicht im Terrarium gehalten werden. Vor allem europäische Landschildkröten, wie die häufig gehaltene Griechische Landschildkröte Testudo hermanni benötigen ein Freigehege mit Frühbeet und entsprechender Technik. Es gibt aber wiederum auch Arten, die (abgesehen von warmen Sommertagen) nur in Terrarien gehalten werden können. Hier kommt es dann auf eine angemessene Terrariengröße, das richtige Substrat und gute Lampen an.

Für viele Arten ist der Freilandaufenthalt für eine artgerechte Schildkröten-Haltung notwendig, da sie den jahreszeitlichen Rhythmus, die Temperaturabsenkung in der Nacht und sinkende Temperaturen zum Herbst hin – für die Vorbereitung auf die Winterstarre – dringend benötigen.

Ein Wechselspiel zwischen Garten und Terrarium ist leider nicht möglich. Viele unwissende Schildkröten-Halter sind der Meinung, dass es reicht, wenn das Tier tagsüber für ein paar Stunden in den Garten gesetzt wird. Das ist keine artgerechte Haltung. Schildkröten müssen sich in ihrer Umgebung auskennen und zurechtfinden. Das Hin- und Hertragen ist purer Stress und kann zu Krankheiten führen.

Schildkröten benötigen zudem für ein gesundes Leben und ein artgerechtes Miteinander viel Platz. Sonst kann es schnell zu andauernden Kämpfen und einer Menge Stress kommen. Jedes Tier benötigt seinen Freiraum sowie eigene Schlaf- und Versteckmöglichkeiten. Besonders in der Paarungszeit ist dies für Weibchen sehr wichtig, da sie sonst andauernd von männlichen Schildkröten bedrängt werden. Auch hier gilt der Leitsatz: Je größer, desto besser!


Feuchtigkeit und Wasser

Eine zu trockene Haltung führt über kurz oder lang zur Höckerbildung des Panzers – besonders junge und sich im Wachstum befindliche Schildkröten sind dafür anfällig. Die Wahl des Substrats spielt hier eine wichtige Rolle, denn es darf nicht zu schnell austrocknen. Insbesondere in den Schlafbereichen und Versteckmöglichkeiten muss es stets feucht – nicht nass – sein.

Frühbeet mit UV-Lampe
Beispielhafter Aufbau eines Frühbeets mit UV-Lampe und Schutzhaus.

Wärme- und UV-Lampen

Zoogeschäfte leben nicht vom Tierverkauf, sondern vom Verkauf des Zubehörs. Eine Schildkröte ist mit 100 Euro schnell bezahlt, aber das drumherum kostet schnell mal um die 1.000 Euro. Daher wird Unwissenheit gerne ausgenutzt und der Käufer geht mit einer Menge Mumpitz nach Hause – leider muss man dies auch immer wieder in einschlägigen Schildkröten-Foren lesen. Neben dem unnötig ausgegebenem Geld, leidet auch noch das Tier darunter, da häufig gekaufte Lampen nicht für eine artgerechte Schildkröten-Haltung geeignet sind. Die Folgen können ein krankes Tier und hohe Tierarztkosten sein. Reptilien benötigen unterschiedliche Temperaturzonen, eine ausreichende Grundbeleuchtung sowie eine Wärme- und UV-Lampe (mit gutem UV-B-Anteil – wir empfehlen die Lucky Reptile Bright Sun UV Desert 70 W). Oft werden Heizmatten- oder steine in Zoogeschäften empfohlen: diese sollten jedoch nicht verwendet werden, da sie zur Missbildung des unteren Panzers führen können. Wie es in der Natur üblich ist, sollte Wärme immer von oben kommen.

Oft werden Schildkröten zu warm oder zu kalt gehalten. Um sich eine Vorstellung davon machen zu können, wie die Tiere zu halten sind, kann man sich an die unterschiedlichen Temperaturen, die Sonnenintensivität, die Sonnenstunden sowie die Regenzeiten im natürlichen Habitat (dem Land oder Gebiet, in dem die Art heimisch ist) orientieren. Schildkröten sind – wie alle Reptilien – wechselwarme Tiere, die im Gegensatz zu uns Menschen auf die Wärme externer Quellen angewiesen sind. Ihre bevorzugte Stoffwechseltemperatur liegt bei 35° C.

Winterstarre

Winterstarre gehört zum Lebensrhytmus vieler Schildkröten-Arten dazu und muss auch in menschlicher Obhut praktiziert werden. Dabei spielt es keine Rolle, wie alt das Tier ist – auch Schlüpflinge und Jungtiere benötigen sie. Während den Wintermonaten kommt der Stoffwechsel einer Schildkröte zum Erliegen, sie verbraucht kaum Energie und nimmt kein Futter oder Wasser zu sich. Das ist für eine gesunde Entwicklung sehr wichtig.

Ernährung

Eine falsche Ernährung gehört zu den am häufigsten auftretenden Fehlern, die in der Schildkröten-Haltung gemacht werden. Je nach Art unterscheiden sich die Ansprüche sehr stark, weshalb man sich bei diesem Thema vorab ausführlich informieren muss. Grundsätzlich lässt sich sagen, dass Schildkröten nicht mit Salat, Gemüse, Obst, Küchenabfällen, Brötchen, Katzen- oder Hundefutter ernährt werden dürfen, da dies zu Organschäden und letztendlich zum Tod führt.

Tierarzt

Regelmäßige Kontrollen – besonders nach der Übernahme eines Tieres und vor der Winterstarre – sollten nur bei einem schildkrötenerfahrenen Tierarzt durchgeführt werden. Sämtliche Behandlungen an Reptilien werden in der tierärztlichen Ausbildung nicht unterrichtet und können nur durch Zusatzqualifikationen erlangt werden. Daher besteht die Gefahr, dass unwissende Tierärzte eine falsche Diagnose stellen – und in so einem Fall bringt auch die beste Schildkröten-Haltung nichts.

Gruppenzusammenstellung

Ob Schildkröten besser alleine oder in einer homogenen Gruppe gehalten werden sollen, ist schwer zu sagen. Hier teilen sich die Meinungen und Erfahrungen vieler Halter sehr stark – auch abhängig von der Art, die gehalten wird. Jedoch gibt es Einigkeit bei der Art-, Alters- und Geschlechterzusammenstellung. Niemals sollte man verschiedene Arten in einem Gehege halten, da es von Art zu Art verschiedene Haltungsanforderungen gibt und die Tiere ein unterschiedliches Verhalten und spezielle Aktivitätszeiten besitzen. Auch dürfen Schlüpflinge oder Jungtiere nicht zusammen mit adulten Schildkröten gehalten werden. Zuletzt ist noch auf ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis zu achten. Da männliche Tiere sehr fortpflanzungsfreudig sind, kann das bei Weibchen zu Stress und Verletzungen führen. Mit einem Männchen sollten mindestens drei bis vier Weibchen gehalten werden. Reine Männergruppen funktionieren in der Regel nicht.

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